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Xã hộiĐồng tính luyến ái trong xã hội hiện đại
1.1.1990
Bettina Dziggel
Das Gefühl, als kleiner Satellit im Universum herumzuirren
Ein Interview mit der Aktivistin der Lesbenbewegung in der ehemaligen DDR Bettina Dziggel
 
Talawas: Bettina Dziggel, sehr viele Menschen verstehen unter Homosexualität fast ausschließlich die der Schwulen und nehmen die Lesben kaum wahr. Wie kommen Sie damit zurecht?

Bettina Dziggel: In Westdeutschland wurden durch die Frauenbewegung auch immer wieder die Lesben mit genannt, während sie in der ehemaligen DDR nicht present waren. Aus diesem Grund habe ich Anfang der 80er Jahre mit anderen Frauen einen lesbischen Arbeitskreis gegründet. Als ich mit 20 endeckte, daß ich Frauen liebe, war das für mich nicht von Bedeutung, denn ich kannte sehr wenige Lesben und auch sehr wenige Schwule. Dies änderte sich dann sehr schnell, als ich selbst offen lebte. Ich habe meine Homosexualität nicht als diskriminiert oder schädigend empfunden, aber es war sehr unangenehm, erdrückend, nicht in der Gesellschaft vorhanden zu sein.

Talawas: Mündet die lesbische Bewegung aus diesem Blickwinkel automatisch in die allgemeine Frauenbewegung ein? Wie verhalten sie sich zu einander? Gibt es ernsthafte Differenzen zwischen ihnen?

Bettina Dziggel: Automatisch mündet die lesbische Bewegung nicht in die Frauenbewegung, aber diese war eine Wegbereiterin für die Lesben. Hier kann ich nur für die ehemalige DDR sprechen. Da gab es den „Demokratischen Frauenbund Deutschland“ (DFD), deren Programme sich ausschließlich um Familie, Kindererziehung, Kochen, Basteln erstreckten. Emanzipatorische Themen, Lesben und ihre Lebensweise, kannte ich nur aus westdeutschen Frauenzeitungen, die ich illegal aus Westberlin bekam, denn das Lesen von kapitalistischen Printartikeln war verboten.
Somit gab es keine Differenzen, da es uns nicht gab. Die Friedensbewegung in der ehemaligen DDR formierte sich unter dem Dach der evangelischen Kirche. Dort trafen sich auch Frauengruppen, welche emanzipatorische Inhalte verfolgten. In diesen Gruppen hatten Lesben keinen Platz, da unsere Themen zu unterschiedlich waren. Dies bedeutete allerdings kein Konrurrenzverhalten bzw. Ausschließen aus der Frauenbewegung.

Talawas: Sie waren als Bewegungsfrau in der ehemaligen DDR sehr aktiv. Was waren Ihr Hauptanliegen und was ist davon erreicht worden?

Bettina Dziggel: Unser Hauptanliegen war, uns zu zeigen. Wir trafen uns zweimal im Monat im Gemeinderaum einer evangelischen Kirche in der Nähe des Zentrums von Berlin. Die Themen, von dem sogenannten Vorbereitungskreis erarbeitet, wurden besprochen: Coming Out, Probleme mit den Eltern (wie sag ich´s meinen Eltern?), Probleme auf der Arbeit, Lesben in der Literartur, in Berlin zwischen 1900 und 1938, während des Zweiten Weltkrieges usw. Natürlich haben wir auch Feste gefeiert, Ausflüge ins Umland von Berlin gemacht und dabei hat sich manche Beziehung gefunden. Selbstverständlich sind wir von der Staatssicherheit observiert worden, das geht aus Protokollen hervor, in denen einzelne Frauen vom Vorbereitungskreis jetzt Einsicht nehmen konnten. Das haben wir auch geahnt, da wir eine oppositionne Gruppe waren. Erreicht haben wir, daß sich die Lesben gefunden haben, daß sie nicht mehr das Gefühl hatten, als kleiner Satellit im Universum herumzuirren. Wir haben eine Sprache für uns gefunden, wir waren nicht mehr allein, konnten besser mit Diskriminierungen umgehen. Unser Lebensgefühl hat sich zum Positiven verändert.

Talawas: Welche Veränderungen hat Ihnen die Wende gebracht? Wie sieht Ihr Engagement heute aus?

Bettina Dziggel: Die Wende war für mich eine sehr aufregende und anstrengende Zeit, die Nachrichten vom Mittag stimmten mit denen vom Vormittag nicht überein und am Abend war alles wieder anders. Es war ein Schlußstrich mit meiner aktiven Lesbenbewegungsarbeit. Ich bin jetzt „Konsumentin“. Kurz nach der Wende wurden die Frauen vom Vorbereitungskreis oft zu Interviews eingeladen, eine ehemalige Besucherin unseres Arbeitskreises hat einen Film und ein Buch über aktive Lesben in der ehemaligen DDR gemacht. Ich habe eine neue Arbeit genommen und einen neuen Beruf erlernt, indem ich Menschen mit Handicap assistiere.

Talawas: Wie stehen Sie zum Feminismus?

Bettina Dziggel: Ich glaube, ohne den Feminismus, ohne seine zum Teil Radikalismus, Sprache und Handeln wären Frauen und auch Lesben heute nicht so selbstbewußt. Ich finde es immer noch schade, wenn Frauen, wenn sie ihre Rechte einfordern, als Emanzen dargestellt werden, leider auch von Frauen. Manchmal habe ich allerdings den Eindruck, daß die Frauenbewegung etwas stagniert ist. Man diskutiert noch über Themen von 1985, wo wir doch schon 2002 schreiben.

Talawas: Besteht bei Ihnen das Bedürfnis, Mutter zu sein?

Bettina Dziggel: Nein, das Bedürfnis habe ich nicht, aber das hat nichts mit meiner lesbischen Lebensweise zu tun, ich konnte mir schon in meiner frühesten Jugend nicht vorstellen, ein Kind großzuziehen. Aber ich habe Kinder meiner Freundinnen mit begleitet und finde es intererssant, ihre Entwicklung mit anzusehen.

Talawas: Haben Sie bei Ihrem Besuch in Südvietnam vor nicht langer Zeit etwas von „weiblicher Homosexualität“, wie der vietnamesische Fachausdruck für lesbisch lautet, beobachten können?

Bettina Dziggel: Nein, leider nicht, obwohl ich immer sehr aufmerksam geschaut habe. Mit meinen schwulen Freunden besuchte ich zwei in Saigon sehr populäre Diskotheken, dort entdeckte ich Schwule „ohne Ende“, aber keine Frauen, weder küssend noch Hand in Hand oder tief in die Augen schauend. Auch in den Diskotheken, Cafés oder anderen lesbischen/schwulen Veranstaltungen in Berlin, wo viele, vor allem junge Lesben verkehren, sehe ich keine Vietnamesinnen, vereinzelt nur ein paar Japanerinnen.

Talawas: Die Frau in unserer vietnamesischen Gesellschaft wird noch viele Jahrzehnte brauchen, um ihrer emanzipierten Schwester in Europa nachzukommen. Einerseits ist sie unabänderbar auf ihre Ehefrau-und Mutterrolle fixiert und läßt keine andere Lebensform auch nur in leisester Vorstellung aufkommen. Andererseits hinterläßt zum Beispiel der Vietnam-Krieg, der längste im 20. Jh., eine ganze Generation von Frauen zurück, die die meiste Zeit ihres Lebens praktisch unter sich verbracht haben und wohl auf körperliche Zärtlichkeiten unter einander angewiesen sind, was von der Öffentlichkeit einfach als die Leiden des Krieges eingestuft wird. Welche Erfahrung der westlichen lesbischen Bewegung könnte für Vietnam aufschlußreich sein?

Bettina Dziggel: Bei dieser Frage möchte ich etwas von mir erzählen: Als ich mit Anfang 20 merkte, daß ich nicht Männer, sondern Frauen liebe, kam ich mir sehr einsam vor. Ich suchte das Gespräch, fand offene Ohren, aber auch Ablehnung und mit Hilfe der anfänglich kleinen Gruppe habe ich schnell zu mir gefunden. Ich habe einfach über meine Gefühle gesprochen, oft fehlten mir dabei die Vokabeln. Bis zu meinem 18. Lebensjahr habe ich auf einem kleinen Dorf südlich von Berlin gelebt, in einer Gegend wie vielen anderen Regionen der ehemaligen DDR, wo man weder Rundfunk noch Fernsehen aus Westdeutschland empfangen konnte. In unserer Familie wurde nie über Sexualität gesprochen, auch nicht über Liebe. Ich habe meine Eltern nie nackt gesehen. Zärtlichkeit gab es nicht. Als ich mich dann während meines Studiums in eine Frau verliebte, war es für mich eine Befreiung, ich würde sagen, meine persönliche Revolution. Ich hatte Glück: die Frau war lesbisch. Ich hatte Pech: sie stand nicht dazu, somit haben wir uns wieder getrennt. Ich denke, Reden ist wichtig, ebenso sich informieren, lesen. Und wenn irgendwo geschrieben steht, das Lesben kranke Frauen sind, dann irrt sich der Autor/die Autorin grundlegend.

Talawas: Bettina Dziggel, wir danken Ihnen für das Gespräch.



Bettina Dziggel, 1960, lebt heute als Sozialarbeiterin in Berlin